Luther-Spektakel 2017

Luthers Sommerfest

 

Bei den Vorbereitungen für ein ganz anderes Projekt sind wir 2012 darauf gestoßen: wir befinden uns in der „Lutherdekade“! Und 2012 ist das „Lutherjahr der Musik“! Also lasst uns ein Spektakel auf die Beine stellen, das Martin Luther und die Musik seiner Zeit – und seine Haltung zur Musik – in den Mittelpunkt stellt.

Im Sommer 2017 nehmen wir dieses Spiel wieder auf.

Und so sehen Sie nun ein fiktives Sommerfest im Hause Luther, wie es vielleicht tatsächlich einmal stattgefunden haben könnte: die Lutherin und ihre Helferinnen, ihre „Muhme“ (Tante) Lene und eine kleine Verwandte, die wir „Anna“ genannt haben, stellen Sitzgelegenheiten in den Garten und fangen an, den Tisch zu decken. Luthers Freund und Mitstreiter Philipp Melanchthon, der „praeceptor germaniae“, also der „Lehrer Deutschlands“, kommt als erster in den Garten, gefolgt von einer Schar Kinder. Dann erscheinen Luther und weitere Gäste. Zur Hochzeit haben die Luthers das „Schwarze Kloster“ – so genannt nach den es vormals bewohnenden schwarz ge­kleideten Mönchen von Kurfürst Friedrich dem Weisen als Wohnstatt überlassen bekommen. Dort gibt es viel Platz: im Hause Luther wohnen von Anfang an viele bedürftige Verwandte, weitere „entlaufene“ Nonnen und Studenten. Die Lutherin betreibt eine „Bursa“, d.h. sie gibt Studenten Herberge. Diese Studenten und Theologen, die z.T. auch an der Universität Wittenberg unterrichten, finden sich ständig in wechselnder Besetzung am Tisch Luthers ein – so auch an diesem Abend. Dazu kommen Bürger Wittenbergs, allen voran der Apotheker und Maler Lucas Cranach d.Ä. mit seiner Frau Barbara, aber auch Leonhard Koppe, der der Lutherin zur Flucht aus dem Kloster Nimbschen verholfen hatte sowie Johannes Bugenhagen und Kaspar Glatz.

Im Hause Cranachs hat auch Katharina von Bora, die Lutherin, vor ihrer Hochzeit mit Luther eine Zeit lang Aufnahme gefunden, in der Apotheke gearbeitet und ihre Kenntnisse der Heilkunde vertieft. Auch König Christian II. von Dänemark, der auf dem Fest als „Überraschungsgast“ erscheint, hat tatsächlich mehrere Monate bei Cranach gelebt. Zur Hochzeit hat er der Lutherin einen Ring geschenkt. Allerdings spielt unser Sommerfest – definiert durch „Hänschens Geburt“ – im Sommer 1526. König Christian war tatsächlich etwas früher in Wittenberg.

Der Maler Cranach war auch wirklich in Italien und ist dort z.B. Tizian begegnet. Dass er das auftretende „fahrende Volk“ – unsere Reminiszenz an das ausgehende Mittelalter – kennt, ist also auch nicht ganz unwahr­scheinlich.

Auch der Kantor Johann Walter, der hier als Leiter der kleinen Musiker­truppe auftritt, ist eine historische Figur. Mit ihm hat Luther Musikalisches diskutiert und zusammen gearbeitet.

Gestört wird das friedliche Fest durch einen Mönch, der mit seinen Helfern ein Attentat verüben will sowie durch ein „Schmäh-Plakat“, das Luther als „Siebenkopf“ darstellt: beide Störungen werden rasch beseitigt: das „Attentat“ ist frei erfunden, könnte aber wohl so stattgefunden haben: Melanchthons Sorge um den Reformator, der ja „vogelfrei“ war, war nicht unbegründet. Das Plakat wurde tatsächlich veröffentlicht, die Urheberschaft ist wohl ungeklärt.